Antigone - eine sehr gelungene Premiere

Antigone - eine sehr gelungene Premiere

Antigone - ein „schwerer Stoff“, ein statisches Spiel? Mitnichten!!!

Natürlich muss man bereit sein, sich in das Stück hineinversetzen zu lassen,

natürlich muss man bereit sein, auch die nicht gleich offensichtlichen Parallelen zur Gegenwart zu finden und zu sehen,

natürlich muss man bereit sein, zuzuhören und sich auf die Sprache zu konzentrieren - denn die Sprache ist hier „Waffe und Machtinstrument“…

Aber die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler um Claudia Schwiefert-Damm verstanden es mit beidem zu überzeugen - mit ihrer Sprache und ihrem Spiel.

Eingebettet in ganz aktuelle Bezüge wurde der klassische Stoff um Macht, Recht, Moral und Liebe modern und kurzweilig für das Publikum dargeboten.

Das Spiel mit Licht und Schatten, die harte Lichtführung mit nur einem Spot, die dadurch scharf gezeichnete Mimik und Gestik der Akteure untermalten eindrucksvoll das Stück und transportierten Stimmungen. Die Schattenwand, gezielt und effektvoll eingesetzt, lässt die Mittagshitze von Theben fühlbar werden.

Antigone2017_BuergerOb nun die Bürger (Sebastian Suthau, Michelle Kanold, Julius Mai, Sophia Schreinert, Henrike Mosch, Selina Oelmann) in ihrer Scheinheiligkeit, der dienstbeflissene und skrupellos handelte Beamte (Rouwen Rczadk) oder die Botin (Josephin Göttert), sie überzeugten mit Spiel und Sprache - wobei Josephin und Lea Jenke als Eurydike genau den Part an Steifheit auf die Bühne bringen, die das klassische Stück ausmacht.

Antigone2017_SchwesternDie Schwestern Antigone und Ismene, zerstritten und doch im Herzen eins, überzeugend gespielt von Rosalie und Viktoria, haben ihr Publikum mit ihrem Spiel gefesselt. Rosalie, in ihrer Rolle als Protagonistin des Stücks, wild entschlossen ihrem Bruder die ihm gebührende Ehre zu erweisen und Viktoria als Ismene, zweifelnd, aber liebevoll die Sorge um die Schwester glaubhaft darstellend - die Figuren scheinen wie geschaffen für die beiden!

Antigone2017_HaimonHaimon, gespielt von Paul Damm, Sohn des Kreon und in Liebe Antigone verbunden, der den Vater um Gerechtigkeit bittet, ja, anfleht, lässt aktuell den tiefen Konflikt so manches Vaters und Sohnes auf der Bühne Realität werden.

Muss man, welche Ironie, einem blinden Seher vertrauen? Elias Quast glaubt man schon, auch wenn die Götter nicht persönlich in der Aula erscheinen…

Antigone2017_KreonUnd Kreon? Man hat die stille Hoffnung, dass Dominic Embscher wirklich nur spielt. Mit jedem seiner (Wut)ausbrüche werden die Zuschauer in Angst und Schrecken, versetzt und fragen sich sicher: „Wer ist der junge Mann“, der so überzeugend den Tyrannen und Diktator gibt? Die Wandlung vom Unantastbaren zum tief Gebrochenen, an seiner Verzweiflung und seiner Menschenverachtung zugrunde Gehenden, ist großartig dargestellt! Die Hoffnung, dass wir dies auch in der realen Welt erleben, sollte nie sterben…

Kompliment an alle Darsteller - es war eine tolle Premiere, die auch noch ganz nebenbei einem guten Zweck diente!

Mitwirkende:
Antigone: Emily Kósa / Rosalie Scholz
Ismene: Anika Würz / Victoria Schlinzig
Kreon: Dominic Embscher
Wächter: Rouwen Rczadki
Haimon: Paul Damm
Blinder Seher: Elias Quast
Begleitender Junge: Henrik Reiske
Botin: Josephin Göttert
Eurydike: Lea Jenke
Bürger: Sebastian Suthau, Michelle Kanold, Julius Mai, Sophia, Schreinert, Henrike Mosch, Selina Oelmann
Ana: Sophia Schreinert
Jasna: Michelle Kanold

Technik: Julia und Laura Barde, Stefan Kranz, Gina Menne
Maske: Julia Volkert, Laureen Wolff, Bhavani Stojanovic
Statuen: Leon Reiske, Hendrik Barth, Monique Dewitz


Die Bilder von Sirko Pandza findet ihr unter: www.sirkopandza.fotograf.de

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