Expedition "CRANACH 500"

PROGLOG

Schüler des Lucas-Cranach-Gymnasiums haben Namensträger im VisierLogo500

Am Freitagmorgen, um 7:46 Uhr auf dem Wittenberger Hauptbahnhof, wird sich zeigen, was die einjährige Vorbereitungsphase gebracht hat. Die Schülerinnen und Schüler des Lucas-Cranach-Gymnasiums starten gemeinsam mit Lehrkräften die „Expedition Cranach 500“. Dafür gab es unter der Woche noch das passende Outfit, auf dem Schule, Cranach und die Expedition miteinander vereint wurden. In den nachfolgenden acht Tagen werden von den Teilnehmern dann per Fahrrad acht Wirkungsstätten bzw. Lebensstationen der Familie Cranach vor Ort aufgesucht, erkundet und dokumentiert. Im Konkreten handelt es sich um die Städte Kronach, Coburg, Eisenach, Gotha, Erfurt, Weimar, Dessau-Roßlau und Lutherstadt-Wittenberg.

Dabei wird die Anreise mit der DB bereits zu einem ersten Prüfstein. Einerseits bleibt abzuwarten, inwieweit sich die Sperrung des Leipziger Hauptbahnhofs auch auf den angrenzenden Zugverkehr auswirkt. Eine weitere Hürde dürfte dann die Querung des Thüringer Waldes darstellen. Angesichts begrenzter Transportkapazitäten bei der Bahn müssen die Räder in Saalfeld just in time in einen gecharterten Transporter verladen werden. Von Saalfeld werden sie dann separat nach Kronach gefahren.
In Kronach, dem Geburtsort und de facto Namensgeber der Familie Cranach gilt es die Wurzeln Lucas Cranach des Älteren zu erkunden und in der fränkischen Galerie erste Werke der Maler-Familie Cranach in Augenschein zu nehmen.

Am späten Nachmittag gibt es von Seiten der Stadt Kronach eine offizielle Begrüßung der Expeditionsteilnehmer durch die stellvertretende Bürgermeisterin sowie Vertretern des Städteverbundes „Wege zu Cranach“ und selbst Lucas Cranach der Ältere soll sich dazu angesagt haben.

Zumindest eines haben die Wittenberger Schüler mit ihrem Projekt vorab bereits erzielt – mediale Aufmerksamkeit. Für mehrere Etappen sind bereits Pressetermine abgestimmt worden, die natürlich mit dem Expeditionsauftrag abgestimmt werden müssen. Zudem wird es eine aktuelle Berichterstattung auf der Schulhomepage des LCG http://www.lucas-cranach-gymnasium.de/ über die einzelnen Tagesetappen geben. Damit wird zeitgleich die Botschaft der Wittenberger Cranach City in andere Orte und Wirkungsstätten der Familie Cranach überbracht. Zudem wollen die Wittenberger Gymnasiasten aus jedem bereisten Ort eine Handvoll Erde mitbringen, die dann am 04.10. symbolisch mit dem Wittenberger Boden vereint wird, auf dem im kommenden Jahr dann die Cranach-Schlange zum Blühen erweckt werden soll.
Besser kann man eigentlich nicht in das Cranach Jahr 2015 starten.


2014-09-26

Die Anreise per Zug und Umstiege klappte sehr gut. Ab Saalfeld fuhren wir und unsere Räder auf getrennten Wegen weiter, weil die Bahn nicht alle Drahtesel transportieren konnte. In Kronach waren wir dann wieder vereint, und auch unser Begleitfahrzeug mit Frau Mittag am Steuer war pünktlich vor Ort.
Nach einem sehr steilen Anstieg kamen wir auf der Festung Rosenberg an, die uns Bett, Spirellis und eine herrliche Aussicht bot. Der erste Expeditionsauftrag führte uns in die fränkische Galerie. Der Cranach des Tages, Alexander, zeigte uns Originale von Holzschnitten und Gemälden aus seinem Schaffen. Dazu gehörten mehrere Lutherbildnisse und zahlreiche Heiligenbilder.
Symbolisch wurde im Anschluss Kronacher Erde abgefüllt, die dann nach Wittenberg mitgenommen wird. Gegen Abend wurden wir von der zweiten Bürgermeisterin Frau Hofmann, Pressevertretern und Lucas Cranach persönlich empfangen. Nach einem gemeinsamen Bild am Cranachdenkmal ging es auf Spurensuche auf dem Cranachweg in der Kronacher Altstadt. Interviews mit Passanten rundeten den Tag ab.


2014-09-27

Coburg – Hofmaler und „Bergsteiger“!

Die Ausfahrt aus der Festung begann mit einem unfreiwilligen Stopp. Kurze Zeit später ging es dann für alle los auf die erste Expeditionsetappe per Fahrrad. Steile Anstiege und schöne Abfahrten führten uns durch den Frankenwald. Mit den Warnwesten waren wir der Blickfang für viele Leute, die uns fröhlich zuwinkten und grüßten.
Gegen 13.00 Uhr erreichten wir bei Sonnenschein Coburg. Nach einer Rast nahmen wir den steilen,sehr langen und beschwerlichen Aufstieg zur Veste Coburg in Angriff. Der Traubenzuckerkonsum stieg exponentiell an. Vor der Burg erwarteten uns Vertreter der Stadt Coburg, auch die hiesige Presse war anwesend. Nach Fotoshooting und Interview nahm der Cranach des Tages, Oliver Schmidt, die Erdprobe für spätere Analysen. Begeistert war er davon nicht. In der Veste Coburg entdeckten wir zwei Dutzend Cranach-Gemälde, die Sitzgelegenheiten waren der Renner. Neben dem „Ungleichen Paar“ beeindruckten vor allem die Intarsien des Jagdzimmers. Ein Blick über die Stadt inspirierte uns, die Abfahrt einzuleiten.

Nach einem Stopp, um die Vorräte aufzufüllen, lernten wir das langgestreckte Lautertal kennen (Unterlauter, Oberlauter, Tiefenlauter). Gegen 17.30 Uhr kamen wir nach einstündiger Fahrt dann endlich in der Jubi Neukirchen an und freuten uns auf des Abendessen. Es gab Pizza!!!

PS: Heutige Tagesleistung – 63 km und mehr als 2000 kcal verbrannt


2014-09-28

Rennsteigetappe I: Neukirchen – Oberhof 66 km

Als wir um 9 Uhr in Neukirchen mit einer Abfahrt starteten, wussten wir noch nicht, dass heute zahlreiche steile Anstiege folgen sollten. Bereits der erste Höhenunterschied, kurz vor der ehemaligen innerdeutschen Grenze bei Görsdorf, zwang einige aus dem Sattel.

Eine „Sch…-Schotterpiste“ im Werratal kostete Kraft und Motivation. Entschädigt wurden wir vom sonnigen Wetter, herrlichen Ausblicken auf die Wälder in der Mitte des Thüringer Waldes. Zeitweilig gerieten wir sogar in einen „Geschwindigkeitsrausch“, nachdem wir unter größten Mühen die Bergspitze erklommen hatten. Bei Masserberg hatten wir bereits mehr als 600 Höhenmeter geschafft. Die folgende Kammfahrt führte uns bis auf 942m NN (Nähe Schmücke).

Am Ende der Etappe, nach acht Stunden Fahrtzeit, wurden wir durch fünf Kilometer Abfahrt, Abendessen und Ausstattung der Zimmer im AWO/ SANO Oberhof ordentlich für die Strapazen dieser Königsetappe entschädigt.

Kompliment und allergrößten Respekt an alle Pedalritter für die heutige Leistung!


2014-09-29

 „ Dieser Weg wird kein leichter sein.“

Tageskommentare

Micha: Mit dieser Gruppe jederzeit wieder.
Olli: Nie wieder großer Inselsberg.
Erik: Das war ne echt coole Abfahrt vom Inselsberg.
Alex: Jeder Anstieg hat auch einen Abstieg.
Jessica: Alle Wege führen nach Hörschel.
Lisa St: Die Fahrt auf den Inselsberg war „wunderschön“.
Franzi: „Autsch“
Stefan: Panzertape und Kabelbinder lösen alle Probleme.
Lisa : Auf festen Straßen fährt es sich besser.
Kai: Wurde extrem durchgeschüttelt.
Maxi: Nach dem letzten Berg kamen weitere.
Luisa: Ich habe meinen Satz vergessen.
Kurt: Toll, wie Hannibal , der Höllentrip nach Hörschel.
Heidrun: Da sind sie ja schon.


2014-09-30

Nach Feinjustierungen an den fahrbaren Untersätzen starteten wir 9.10 Uhr vom „Tor zum Rennsteig“ in Hörschel zur Wartburg in Eisenach. Nach einer 13%-Steigung begrüßte uns Herr Wartmann bereits an der Eselstation. Die letzten Höhenmeter wurden zu Fuß erklommen.

Auf der Wartburg betrachteten wir Cranach-Bilder, die Lutherstube mit Tintenfaß und Walwirbel. Als Profis in Sachen des Meisters, erfassten wir zudem sofort einen Fehler, als ein Melanchthonbildnis zu Cranach dem Älteren erklärt wurde. Der erste Cranach des Tages, Erik, nahm die obligatorische Bodenprobe aus einem Blumenbeet, ehe es Richtung Gotha weiter ging.

Die Begeisterung über die flache Streckenführung wurde einhellig von allen geteilt. In Gotha erhielten wir ein fachkundige Erklärung über die Ausstellung der Cranach-Werke im
Schlossmuseum. Wir erfuhren zudem, dass sich noch zahlreiche Bilder in Russland befinden. Der zweite Cranach des Tages, Kai-Uwe, musste sich stark mühen, um die Erdprobe zu bekommen. Gegen 16.30 Uhr ging es nach Erfurt, dem heutigen Ziel, nicht ahnend, dass noch fast 40 km vor uns liegen sollten. In Apfelstädt gab es eine letzte Rast, um dann im Galopp von mehr als 20 km/h dem Abendbrot entgegen zu eilen. Gerade noch rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit trafen wir in der Jugendherberge zu den obligatorischen Spirelli mit Tomatensoße ein.


2014-10-01

 Das war`s schon … ? Nur 35 km von Erfurt nach Weimar !
Im Vergleich zu den letzten Tagen stand heute der Wissenserwerb im Zentrum. Der Erfurter Dom bot nicht nur Stille und Besinnlichkeit, sondern auch viele Fotomotive. In einer Nische entdeckten wir zudem ein Cranach-Gemälde: „Die Verlobung der Heiligen Katharina“. Parallel zum Dom warfen wir noch einen Blick in die Severinkirche und schauten sehnsüchtig auf die Kirmes am Domvorplatz.
Wenige Minuten später trafen wir am Angermuseum ein. Dort wurden wir empfangen und ein Mitarbeiter des Museums erläuterte Werke Cranachs. Hierzu gehörte:  „Die Segnung der Kinder“. Wir warfen zudem auch einige Blicke auf Gemälde der Gegenwartskunst. An der Stadtgrenze von Erfurt entnahm der Cranach des Tages Maximilian die Erdprobe.
Nach einer kurzen und schmerzfreien Fahrt von  2h trafen wir in Weimar ein. Mit dem Erreichen von Azendorf hatten wir die Schallmauer von 300 zurückgelegten Kilometern kurz vor Weimar durchbrochen. Am Zielort standen wir am Grab von Lucas Cranach dem Älteren. Damit hatte sich der in Kronach, dem Geburtsort, begonnene Kreis auf unserer Fahrt geschlossen. Zudem bestaunten wir in der Stadtkirche einen von ihm gemalten Altar.
In Weimar wurden wir von Passanten angesprochen, nicht nur wegen unserer einheitlichen „Uniformierung“, sondern auch aufgrund der regionalen Berichterstattung. Mit einem Pressetermin am Cranachhaus auf dem Marktplatz wurde den hiesigen Medien auch wieder neue Nahrung gegeben.
Im Anschluss starteten wir zum letzten Mal gen Gipfel. Die Auffahrt zum Ettersberg erwies sich noch mal als gute Überprüfung des mittlerweile stark verbesserten Fitnesszustandes. Man schoss sogar über das Ziel hinaus und verpasste im Geschwindigkeitsrausch die Einfahrt zur Jugendherberge.


2014-10-02

Touren mal auf anderen Rädern …von Weimar nach Dessau !
Mit der Cranachsammlung des Schlossmuseums beendeten wir unsere Stippvisite in Weimar. Der Cranach des Tages, Jessica, entnahm dort einer Wiese die Bodenprobe.
Die anschließende Zugfahrt konnten wir bereits 2h früher beginnen. Trotz knapper Umstiegszeiten schafften wir alle Anschlüsse. Gegen 14 Uhr trafen wir in Dessau ein und begegneten Mitschülern. Wir starteten zum Johannbau, dem Dessauer Stadtmuseum, das zeitweilig einen Teil der Cranachbilder der Anhaltischen Gemäldegalerie beherbergt. Besonders sehenswert war der Fürstenaltar.
Danach fuhren wir zur Johanniskirche, wo wir von einem MDR-Team empfangen wurden. Interviews und bewegte Bilder konnten wir abends in SACHSEN-ANHALT HEUTE sehen. Zur Erklärung des „Dessauer Abendmahls“ lauschten wir spontan den Orgelklängen live. Mit allen gezogenen Registern überwältigte uns die Melodie aus „Phantom der Oper“ . Franzi war daraufhin für das obligatorische Entnehmen der Erdkrumen verantwortlich.
Vorbei an den Sieben Säulen und den Meisterhäusern erreichten wir unser letztes Nachtquartier und freuen uns auf die morgige Empfangszeremonie. Gegen 13.30 Uhr werden wir den Cranachhof in unserer Heimatstadt erreichen!


2014-10-03

Rückkehr in die Heimat – dort wo die Berge noch „flach“;-) sind!

Am Tag der deutschen Einheit, zugleich der Vortag des Geburtstages von Lucas Cranach d. Jüngeren, starteten wir die letzte Etappe unserer Expeditions(tor)tour auf den Elberadweg in Richtung Vockerode. Der letzte Hügel auf unserer Strecke, der Leiner Berg, wurde  mit Spannung erwartet, war aber steigungstechnisch nicht zu spüren, angesichts unserer doch stark verbesserten Fitness.
In Klieken warfen wir einen Blick in die Patronatskirche, die den nach einem Diebstahl nun wieder zurückgekehrten Cranachaltar beherbergt. Dank Frau Müller erfuhren wir sehr viel über die  Geschichte des Ortes und der Entwicklung der Kirche.
In Coswig stoppten wir an der Nicolaikirche, in der unter anderem Erzeugnisse aus der Werkstatt Cranachs zu finden sind. Über Kontakte durften wir einen Blick in das Innere der Kirche werfen, indem sich Werke beider Cranachs  betrachten ließen. Im Anschluss eilten wir flugs der Lutherstadt Wittenberg entgegen. Ein kurzer Stopp folgte an unserer Schule, wo wir von unserem Schulleiter Herrn Ludlei empfangen wurden.
Die letzten Kilometer unserer EXPEDITION CRANACH 500 führten uns auf den Cranachhof. Dort begrüßten uns herzlich Eltern, Verwandte, Freunde. Eine Ablichtung mit dem allen bekannten Denkmal und ein letzter Händedruck auf die Cranachschlange beschlossen unsere Expedition. Mehr als 100 Werke aus dem Schaffen der Cranachs durften wir im Original betrachten. Rund 400 km wurden per Rad zwischen den acht von uns angefahrenen Cranachstädten zurückgelegt. Beladen mit vielen Eindrücken und neuem Wissen über die Cranachs wird die Auswertung und Aufbereitung noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Die letzten Bodenproben entnahmen Luisa, Lisa & Lisa! Symbolisch wird die gesammelte Erde morgen (04.10.14 / 11:00 Uhr) zur Pflanzaktion der Cranachschlange auf dem Bunkerberg zu Wittenberg verstreut.


NACHTRÄGE:

2014-10-04

Am 04.10.2014, dem Geburtstag von Lucas Cranach dem Jüngeren, wurde die von den Teilnehmer der "Expedition Cranach 500" aus den aufgesuchten Cranach-Städten mitgebrachte Erde über das vorbereitete Beet am Bunkerberg gestreut. Mit der anschließenden Pflanzaktion von Blumenzwiebeln in Form einer Cranachschlange wurde das Cranachjahr 2015 durch den Ministerpräsidenten des Landes Sachsen-Anhalt, Dr. Reiner Haseloff, offiziell eröffnet.
Neben den Vertretern des Landes, den Honoratioren der Stadt, den Vertretern der Stiftung Luthergedenkstätten, CranachCity, Gästen aus der Slowakei und unserem „Cranach 500-Team“ waren viele Helfer, die zum Gelingen dieses Projektes beitrugen.

Hoffen wir auf das Frühjahr und eine dann weit sichtbare
CRANACH-SCHLANGE!

Bericht des RBW --> Video

 

„Expedition Cranach 500“ endete am Tag der deutschen Einheit
Von K. Fuchs

Am Nationalfeiertag um 13:30 Uhr bogen die Expeditionsteilnehmer des Lucas-Cranach-Gymnasiums mit ihren Rädern in den Cranachhof mit dem gleichnamigen Denkmal des sitzenden Malers ein. Den Empfangsjubel durch Eltern, Freunde und Lehrer hatten sich die Schülerinnen und Schüler sowie ihre begleitenden Lehrkräfte vollauf verdient. Auf der achttägigen Exkursion, die den Spuren der beiden gleichnamigen bedeutendsten deutschen Reformationsmaler folgte, waren bei sonnigem Herbstwetter 400 km per Fahrrad zurückgelegt worden.

In dieser Zeit wurden nicht nur die zahlreichen Höhen des Thüringer Waldes, wie der Masserberg, Inselsberg oder die Schmücke bezwungen. Es galt zudem sich dem Schaffen von Vater und Sohn zu widmen. Bevor deren Werke betrachtet werden konnten, mussten zunächst die heutigen Beherbergungen der Gemälde, Kupferstiche oder Altäre erreicht werden. Dies bedeutete in den Städten Kronach, Coburg und Eisenach das Erklimmen der dort vorhandenen Burgen (Festung Rosenberg, Veste Coburg, Wartburg), um die Ausstellungen zu Gesicht zu bekommen. Andere Sammlungen waren in Schlössern (Gotha, Weimar, Dessau-Roßlau) oder in Museen (Erfurt) untergebracht. Zudem sind viele Werke aus dem Schaffen der beiden Cranachs heute immer noch in Kirchen zu bestaunen (Erfurter Dom; Herder-Kirche in Weimar; Johanniskirche in Dessau-Roßlau; Patronatskirche in Klieken; Nicolai-Kirche in Coswig/Anhalt; Stadtkirche in der Lutherstadt Wittenberg). Neben den Bildern standen parallel Lebensstationen im Blick, wie das vermutete Geburtshaus Lucas Cranach dem Älteren „Zum scharfen Eck“ in Kronach, die Cranachhäuser in Gotha, Weimar und Wittenberg oder die Grabstätte des Vaters von Lucas Cranach dem Jüngeren auf dem Jakobsfriedhof in Weimar.

An all diesen Stätten konnten mehr als 100 Originale der beiden Cranachs in Augenschein genommen werden. In Kronach beeindruckten einmal die Begrüßung durch die stellvertretende Bürgermeisterin und Cranach d.Ä. persönlich, andererseits die verschiedenen Lutherzeichnungen und Gemälde des Vaters, wie „Christus und die Ehebrecherin“ in der Fränkischen Galerie. Auf der Veste in Coburg waren es die zahlreichen Fürstenporträts und das „Ungleiche Liebespaar“, die Zeugnis vom Werk der Cranachs ablegten. Bei diesem Bildnis könnten zudem Vater und Sohn gleichzeitig Hand angelegt haben. Eine eher unscheinbare Zeichnung mit dem Porträt Philipp Melanchthons (ca. 1560) war das erste Bild des Sohnes, Lucas Cranach des Jüngeren, was entdeckt wurde. In der Lutherstube waren dann weitere Werke aus dem Schaffen des Jüngeren zu sehen. Um die nächsten Bilder der Cranachs zu Gesicht zu bekommen, war die Überquerung des Thüringer Waldes erforderlich. Die 140 km entlang des Werratalweges und des Rennsteiges wurden an zwei Tagen bezwungen. Vermutlich steckte den Teilnehmern der Expedition am Dienstag noch die Anstrengung des Radfahrens in den Knochen, dass sie die Porträts der Eltern Martin Luthers auf der Wartburg in Eisenach als die am meisten beeindruckenden Bilder Cranachs empfanden. In der Zwischenzeit war ihnen zudem aufgefallen, dass die Schreibweisen des Vornamens Lucas in den Ausstellungen wiederholt variierten und ebenso mit k geschrieben worden waren. Der lange Ritt nach Erfurt über 90 km hatte noch den Stopp in Gotha im Programm. Angesichts der gesammelten „Bergerfahrungen“ bereitete diese Strecke aber keinem der Teilnehmer Schwierigkeiten. Im Herzoglichem Museum in Gotha stand Cranach d. Ä. „Verdammnis und Erlösung“ (ca. 1529) im Mittelpunkt. Das restaurierte Cranachhaus am Markt hingegen verwies nur auf seine zeitweilige Anwesenheit in der Stadt. In der Landeshauptstadt Erfurt beeindruckte einerseits die Symbiose von Dom und Severi-Kirche. Dabei beherbergt der Dom ein Tafelbild der Heiligen Katharina (ca. 1520). Zum anderen waren es Bilder wie im Anger-Museum das Gemälde „Lasset die Kindlein zu mir kommen“ (ca. 1537), die den Gedanken der Reformation zunehmend verbreiteten. Weimar war dann für die Expeditionsteilnehmer eine doppelte Zäsur. Für Lucas Cranach d. Ä. war es seine letzte Wirkungsstätte. Am Altargemälde in der Stadtkirche haben sehr wahrscheinlich Vater und Sohn gemeinsam gewirkt (vollendet 1555). Zudem umfasst das Schlossmuseum eine fast ausgewogene Anzahl an Gemälden beider Cranachs. Für die Schüler hieß es gleichzeitig Abschied von Thüringen zu nehmen und kurzzeitig vom Sattel in die Bahn umzusteigen. In Dessau-Roßlau ankommend, war bereits die Nähe zur Heimat zu verspüren. Hier waren es bedeutende Zeugnisse des Schaffens Lucas Cranach d. Ä., die die Blicke auf sich zogen. Im Johannbau war es der „Fürstenaltar“ und in der Johanniskirche das „Dessauer Abendmahl“. Ein Zugabe des anwesenden Küsters, der spontan für die Teilnehmer alle Register der Orgel zog und mehrere Stücke intonierte, rundeten den Besuch ab. Neben dem Erkunden des Lebens und Wirkens beider Cranachs gehörten ebenso das Wahrnehmen von Presseterminen und das Sammeln von Erdproben aus den jeweilig aufgesuchten Orten dazu. Vor der Johanniskirche waren die Teilnehmer bereits von einem mdr-Team zu Interviews erwartet worden.

Die Schlussetappe stellte fahrtechnisch keine Herausforderung für die Teilnehmer dar. In der Patronatskirche in Klieken konnte der nach einem Diebstahl zurückgekehrte Altar betrachtet werden. In der Nicolaikirche in Coswig/Anhalt gab es Bildnisse beider Cranachs zu Gesicht. Nach einem kurzen Stopp am Lucas-Cranach-Gymnasium in Piesteritz ging es flugs in die Innenstadt von Wittenberg. Symbolische Abschlussbilder an der Cranach-Schlange und am Cranach-Denkmal beendeten vorläufig die „Expedition Cranach 500“.

Die aus den verschiedenen Cranachstädten und Orten mitgebrachte Erde wurde dann am nächsten Tag, dem Geburtstag Lucas Cranach dem Jüngeren, von den Teilnehmern vor Beginn der Pflanzung einer Cranachschlange über das vorbereitete Beet am Bunkerberg gestreut. Diese Aktion stellte zugleich die offizielle Eröffnung des Cranachjahres im Land Sachsen-Anhalt dar.

Für die Expeditionsteilnehmer gilt es nun wieder in den schulalltag einzutauchen, die gesammelten Eindrücke und Informationen der Tour zu verarbeiten. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen dann im weiteren Verlauf des Cranach-Jahres Mitschülern sowie der Öffentlichkeit zu präsentiert werden. Den Auftakt hierzu wird es im Rahmen einer Vernissage zu Cranach-Adaptionen durch Schüler geben, die am 9. Oktober um 16:00 Uhr im Lucas-Cranach-Gymnasium der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Kurt FuchsB1
Projektverantwortlicher „Expedition Cranach 500“
Lucas-Cranach-Gymnasium
An der Stiege 6a
06886 Lutherstadt Wittenberg

k.fuchs@lucas-cranach-gymnasium.de

Expedition Cranach 500

CranachCity 2015

Mitteldeutsche Zeitung