primum
certamen Latinum gymnasii nostri
Am 6.
November 2009 fand der erste schulinterne Wettbewerb im Fach Latein
statt. 16 Schülerinnen und Schüler aus den Klassenstufen 7-10 mit Latein als
zweiter und dritter Fremdsprache nahmen daran teil. Leider war das
Starterfeld doch arg dezimiert, da die Grippewelle gerade auf dem Höhepunkt
war. Innerhalb von 90 Minuten mussten die Teilnehmer Aufgaben in den
Bereichen Übersetzung, Sprachbeobachtung, Wortergänzung und
Landeskunde/Kultur lösen. Dabei wurde sich an den Aufgaben des
Bundesfremdsprachenwettbewerbs, bzw. regionaler Wettbewerbe, die ja auch
schon am LCG ausgetragen wurden, orientiert. Für den Schulwettbewerb wurden
gezielt auch Schüler aus dem Anfangsunterricht eingeladen um so schon
frühzeitig junge Talente zu entdecken und zu fördern.
Während des Wettbewerbs herrschte eine angenehme
Atmosphäre, alle Schülerinnen und Schüler zeigten großen Einsatz und
Ehrgeiz, denn die Aufgaben mussten in straffer Folge bearbeitet werden.
Victores
classis
VII: Lucas
Rösner (66/80)
classis VIII :
Judith Fuhrmann (50/80)
classis IX :
Marcus Raabe (54/80)
classis X :
Marius Koch (2. FS 63,5/80)
classis X :
Sarah Schmidt (3. FS 47,5/80)
Teilgenommen haben Jacob Barth, Martin Heinecke, Marius
Seifert (cl.VII); Eric Beese, Felix Ziebarth (cl.VIII); Karl-Ulrich Boese,
Michael Drechsel (cl.IX); Hoa Than Dao, Markus Dademasch (2. FS cl.X); Dagny
Wolf, Tanja Lehmann (3. FS cl.X).
Wir freuen uns auf eine neue Auflage im nächsten
Schuljahr.
T. Friedrich, mag. Lat.
Latein am LCG – einige Gedanken zum pro und contra des
Lateinunterrichts.
von Tilo Friedrich, magister linguae Latinae.
1. Ist Latein nicht eine tote Sprache?
- In den
letzten
d r e i Jahren sind a c h t neue Lehrbücher auf den Markt
gekommen, eines schöner als das andere. Kann Latein da tot sein?
- Latein
lebt weiter in vielen sog. Fremdwörtern wie
Computer (computare = zusammenrechnen) oder Lehnwörtern wie "richtig" (rectus).
Schon in jeder Tageszeitung findet sich jede Menge Wörter lateinischen
Ursprungs, erst recht aber in anspruchsvolleren Texten. Wer studieren
möchte, kommt um etliche Fremdwörter einfach nicht herum.
-
Latein lebt weiter - und wie! - in vielen Sprachen Europas,
den sog. romanischen Sprachen (Französisch, Italienisch, Portugiesisch,
Spanisch, Rumänisch). Latein ist also die Basissprache Europas. Das
liegt daran, dass die Römer vor etwa 2000 Jahren fast ganz Europa
beherrscht haben. Jeder, der Asterix gelesen hat, weiß das. Sogar das
Englische, die Weltsprache Nr.1, ist zu 60%- 70 % lateinischen Ursprungs
(z.B. computer).
2. Wofür brauche ich Latein ?
-
Niemand, der jemals Latein gelernt hat, wird es bestreiten:
Latein schult das Denkvermögen, weil Latein eine Reflexionssprache ist, also eine
Sprache, bei der man nachdenken (reflectere) kann. Jede Lateinstunde
gibt ein Rätsel auf, das man mit intelligentem Nachdenken lösen muss.
Das macht vielen Spaß, besonders denen, die ihren Verstand mögen.
- Niemand, der je
Latein gelernt hat, wird es bestreiten: Latein verbessert die Deutschkenntnisse
und damit die Fähigkeit, Texte besser zu verstehen.
Die Unterrichtssprache ist Deutsch.
Man lernt, die Fremdsprache Latein kreativ in sog. "gutes Deutsch" zu
übersetzen. Trotz aller Globalisierung: Jeder von euch wird seine
Muttersprache (neben der einzigen Weltsprache Englisch) dringend
brauchen, um voran zu kommen. Allein schon viele Abiturfächer verlangen,
und jetzt haltet euch fest, sog. "muttersprachliche Kompetenz" (vor
allem Geschichte, Politik, Religion, Erdkunde, aber auch andere. Nur
Englisch und Französisch nicht). Außerdem leben wir im
Kommunikationszeitalter, in dem man viele, viele Informationen genau
erfassen und intelligent ordnen muss. Diese Fähigkeiten vermittelt der
Lateinunterricht in besonderem Maße.
- Etliche
Studienfächer verlangen gute Kenntnisse im Fach Latein.
Wir nennen das "Latinum". Natürlich kann man das Latinum auch an der
Universität nachholen. Die Universitäten warnen aber davor, weil die
Zeit für diese "Crashkurse" sehr kurz ist. Bei uns habt ihr vier Jahre
(Kleines Latinum),
fünf Jahre
(Latinum) bzw.
sechs Jahre
(Großes Latinum) Zeit und Muße.
-
Über das Fach Latein kann man eintauchen oder abtauchen - die Gegenwart
ist ja auch nicht immer so spannend und schön - in
eine andere, faszinierende Welt mit ihren Göttern (Mars, Neptun),
geschichtlichen "Größen" (Caesar, Augustus)
und ihren besonderen Einrichtungen und Gewohnheiten (Thermen,
Wagenrennen, "Miniröcke" für Männer). Noch heute kann man im
Mittelmeerraum die Überreste der antiken Kultur bewundern., besonders in
Rom oder Pompeji. Etliche UEG - SchülerInnen waren schon da.
Wer sich mit anderen Welten beschäftigt, versteht die Gegenwart besser - das
kann gar nicht anders sein.
3. Was muss ich können?
-
Früher hat man immer gesagt: Wer gut Mathematik kann, kann auch gut
Latein. Das stimmt zwar nicht immer, aber ziemlich oft.
Man sollte schon Spaß an seinem Verstand haben.
Man sollte Spaß an Rätseln haben. Und man sollte schon eine gewisse
Geduld, ein gewisses Durchhaltevermögen mitbringen.
-
Früher hat man immer gesagt: Wer Schwierigkeiten mit der Aussprache der
modernen Fremdsprache hat, sollte lieber Latein wählen. Dazu nur eines:
In unserem Latein-Club sind auch die herzlich willkommen, die keine
Schwierigkeiten mit der Aussprache einer modernen Fremdsprache haben.
-
Natürlich muss man auch
Vokabeln lernen (wie in allen
anderen Sprachen auch), und man beschäftigt sich auch mit der überaus
nützlichen, aber nicht immer so appetitlichen
Grammatik (aber das Prinzip der
Grammatik gibt es in modernen Fremdsprachen auch). Heute helfen uns
dabei hübsche
Computerprogramme.
Weblinks:
Zeitungsartikel zu Latein:
-
Europas Muttersprachen: Latein und Altgriechisch sind in
Deutschland wieder im Kommen. Mancherorts gibt es schon zu wenig
Lehrer. (Die Welt, 07.04.2006)
-
Latein boomt an bayerischen Gymnasien (Die Welt, 25.02.2006)
-
Man spricht Latein: Wachsender Zuspruch - Sogar HipHop in der
Sprache der alten Römer. (Die Welt, 01.02.2006)
-
Cui bono - vielen nützt es: Latein lebt! Das bestätigen
Hunderttausende begeisterter Schüler, Romanistik-Studenten,
Asterix-Leser und Kandidaten bei Günther Jauch. Und nützlich ist Latein
allemal - wenn nicht direkt, dann doch auf Umwegen. (SPIEGEL ONLINE,
25.01.2006)
Allgemeine Informationen zu Latein:
…und nicht zuletzt noch ein sehr kluger Artikel Friedrich Meiers
(der „Latein-Meier“, der Altsprachen-Didaktik-Papst):
Die Antike am Scheideweg
Zur Zukunft der Klassischen Sprachen in der Schule
In den
sechziger und siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts, als u. a. die
Reaktion auf die diagnostizierte „deutsche Bildungskatastrophe" zu einer
totalen Erneuerung des Schulwesens führte (Stichwort: Curriculumreform),
kamen die Initiatoren dieser Bewegung auch aus den Reihen der
Altsprachler; sie gaben in Bildungstheorie und Bildungspolitik die
Richtung mit an. Jenes prometheische Feuer ist erloschen. Die ganze
Garde der bildungspolitisch versierten Klassischen Philologen wird sich
bald ganz von ihren Berufsgeschäften zurückgezogen haben. Es klafft eine
Lücke; offensichtlich fehlt es an Nachfolgern, an Fachvertretern, die
durch ihre konzeptionelle Kreativität an der Gestaltung der gymnasialen
Bildungsidee mitzuarbeiten in der Lage sind.
Worin hat
dies seinen Grund? Gewiss ist die nachfolgende Generation nicht weniger
begabt und geeignet. Die Klassischen Sprachen können auf einen
hervorragenden Lehrernachwuchs bauen. Fehlen ihm also Mut und Motivation
zum fachpolitischen Engagement? Sind die „neuen" Latein- und
Griechischlehrer gleichgültig gegenüber dem, was aus ihren Fächern
einmal wird? Sind sie sich der Brüchigkeit des Bodens, auf dem sie im
Gymnasium stehen, zu wenig bewusst? Oder fühlen sie sich einfach
überfordert? Die Probleme, die tagtäglich auf sie eindrängen, sind ja in
der Tat enorm: Laufende Reduktion der Stundenzahlen, immer wieder
Änderungen in der Sprachenfolge, Abdrängen der Fächer in
Randpositionen,zunehmender Mangel an Konzentrationsfähigkeit bei den
Schülern, oft bis zur Obsession reichende „Begeisterung" der jungen
Leute für die informationstechnischen Medien aller Art, deshalb
steigendes Desinteresse für alles nicht Moderne, also bes. für die
„toten" Stoffe der Antike, zu geringe Akzeptanz des altsprachlichen
Bildungsangebots in der Öffentlichkeit, ja oft pures Unverständnis
dafür, allmähliches „Die Zukunft liegt in unserer Hand" schrieb
1981 Aurelio Peccei, der damalige Präsident des „Club of Rome". Seine
Prognose zur Entwicklung der menschlichen Gesellschaft basiert auf der
Annahme, dass alles Gelingen von der kulturellen Gestaltungskraft des
Menschen abhängt. „Die Zukunft wird ein kultureller Entwurf sein oder
sie wird nicht sein." So Pecceis apodiktisches Urteil. „Kulturell" ist
hier im umfassenden Sinne verstanden als Aktivierung des ganzen
schöpferischen Potentials des Menschen, seiner technischen Fähigkeiten
nicht weniger als seiner künstlerischen. Dieser „kulturelle Entwurf"
scheint gelungen. Die Lebensgestaltung, im Kleinen wie im Großen, hat
enorme Fortschritte gemacht.
Auch die
Schule als Teil des Lebens partizipiert daran, zumal das Gymnasium, das
sich zunehmend wieder „als niveauorientierte Institution versteht, in
der sich die Chance bietet, Zugang zu finden zu allen Feldern des
Wissens undKönnens, im weiteren Sinne des Verstehens von Welt" (so S.
Oelkers: Gymnasiale Bildung für das 21. Jht., 1999). Die Schule begreift
sich verstärkt als Element des „kulturellen Entwurfs der Zukunft".
„Bildung, Forschung, Innovation: Von dieser Begriffstriade wird unsere
Zukunft maßgeblich bestimmt sein, ob wir das wollen oder nicht." So der
Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Hubert Markl (1998).
Haben die
schulischen Vertreter der Antike diesen Trend wahrgenommen? Ist ihnen
vielleicht gar die Möglichkeit, Zukunft mitzugestalten, aus den Händen
geglitten? Hat das mühselige Tagesgeschäft der Sprachlehre und des
Übersetzungstrainings mit den Schülern ihnen am Ende den Blick verstellt
für die großen Zusammenhänge der gesellschaftlichen Entwicklung, die im
ausgehenden Jahrtausend überall nachhaltig reflektiert werden. Der
Eindruck, dass es so ist, drängt sich zumindest auf; denn es rührt sich
nichts oder wenig in der klassisch philologischen Szene, das von einer
engagierten und kompetenten Teilhabe am Zeitdialog über „die Bildung für
die Zukunft" zeugen könnte.
Wegbrechen
der Stützen humanistischer Bildung in den administrativen Institutionen,
überhaupt in der Öffentlichkeit, weitere Erosion der Anforderung von
Latein-/Griechischkenntnissen als Voraussetzung für universitäre
Studiengänge (zuletzt: „Mit dem Latein am Ende", SZ Juli 1999),
mangelnde Information über das Leistungsangebot der Klassischen Sprachen
in den öffentlichen Medien usw. Wer will, wer kann, wer soll heute den
immer schwerer werdenden Sisyphus-Felsbrocken den Philologenberg
hinaufwälzen? Nie ist der Rechtfertigungsdruck wohl stärker, nie die
Legitimationsarbeit schwieriger gewesen.
Und doch
gibt es ohne engagierte Fachpolitik keine Zukunft der Antike. Sie ist
der wesentliche Teil der Fachdidaktik. Es genügt nicht, den
„friedlichen" Teil der altsprachlichen Vergangenheit wissenschaftlich
aufzuarbeiten. Didaktik ist vor allem gegenwartsbezogen und
zukunftsorientiert. Sie verlangt aktuelle Überzeugungsarbeit. Deshalb
ist eine Beschränkung auf bloße Methodendiskussion, wie sie im
„Altsprachlichen Unterricht", dem einzigen Fachperiodikum, in letzter
Zeit praktiziert wird, ungenügend, geradezu als Flucht vor der
fachpolitischen Verantwortung zu bewerten. Die mit aller Entschiedenheit
in der öffentlichen Gesellschaft zu diskutierende Frage muss sein, ob
humanistische Bildung heute - an der Wende der Zeiten - noch einen Sinn
macht. Ist sie wirklich zukunftsrelevant? Deshalb sollte auch die
Zeitschrift, die den Namen der Schulgattung trägt, in der sich die
Bildungskräfte der Antike entfalten, das „Gymnasium", den zweiten Teil
ihres Profils als „Zeitschrift für Kultur der Antike und Humanistische
Bildung" noch sehr viel stärker betonen; sie zeigt sich in letzter Zeit
- wohl mangels einschlägiger Beiträge - auffallend introvertiert.
Der
Einstieg der Altsprachler in die „Neue Welt" der informationstechnischen
Medien ist gewiss keine Ersatzbefriedigung; er ist dringend geboten; die
Klassischen Sprachen müssen sich hier als integrationsfähig erweisen;
womöglich wird dadurch der Unterricht attraktiver und wirkungsvoller.
„Latein per Mausklick - Langweiliger Unterricht wird
multimedialaufgemöbelt" (so eine kürzliche Zeitungsnotiz).
Die neue,
vierte Kulturtechnik ist auch in Latein und Griechisch einzusetzen, zu
fördern und zu üben _ allein schon um Vorurteilen entgegenzuarbeiten.
Doch das zukunftssichere Heil kommt von dort nicht; man sollte sich hier
nicht täuschen. Computer und Internet machen den Unterricht gewiss
variabler; sie lassen die Schüler „von der Oberfläche der
Informationsflut in die Tiefe tauchen"; es kommt auch mehr Wissen über
die Antike in „geballter Form" unters Volk. Aber den Sinn Klassischer
Studien machen diese Medien einer immer skeptischer werdenden
Öffentlichkeit gegenüber keineswegs plausibler; ihretwegen werden nicht
mehr Schülerinnen und Schüler in den Bänken sitzen.
Gefordert
ist die harte Auseinandersetzung in den Bildungsgremien innerhalb und
außerhalb der Schule; dazu bedarf es Mut, Durchsetzungsvermögen und
Kompetenz auf Seiten der Fachvertreter. Die Zukunft der Fächer liegt
ausschließlich in der Hand der Klassischen Philologen. Daher der Appell
an die junge Generation, sich Kenntnisse in Bildungstheorie,
Gymnasialpädagogik, in den pädagogischen Bezugsdisziplinen, in
Lehrplanforschung und -gestaltung u. ä. anzueignen sowie allmählich
durch den Blick über die Fachgrenzen hinaus ein Verständnis für die
großen Zusammenhänge zwischen Politik, Gesellschaft, Wissenschaft und
Schule zu gewinnen. Der Altsprachler muss in der Bildungsdiskussion
präsent bleiben. Das Angebot der Antike hat ohne Zweifel Zukunft, seine
Chancen werden eher größer angesichts der Herausforderungen der Zeit
(etwa: Suche nach einer europäischen Identität, humanistische
Kompensation des technologischen Totalitätsanspruchs u. a. m.). Nur muss
dieses Angebot mit persuasiver Strategie der Welt vorgestellt werden -
offensiv und ostentativ.
Natürlich
sollten für diese Aufgabe schon in der Universitätsausbildung die
Grundlagen gelegt werden. Doch hier herrscht weithin Fehlanzeige. Die
Fachdidaktik-Ausbildung der Latein- und Griechischlehrer ist - von ganz
wenigen Ausnahmen abgesehen - ein Skandalon ersten Ranges. Die Institute
lassen sie fast überall auf Sparflamme brennen (in Form von einigen
schulpraktischen Übungen), als ob die philologia perennis der
Universität von sich aus auch in der Schule eine Existenz für alle
Ewigkeit zugebilligt bekäme. Man sollte ja nicht die bisherigen Erfolge
als Beweis dafür anführen.
Was in den
Fächern Englisch, Französisch, Mathematik, Physik, Religion, Musik usw.
voll ausgebaute Fachdidaktik-Lehrstühle erarbeiteten, wurde in den
Jahren 1960-2000 größtenteils von den „Amateuren" der Latein- und
Griechischdidaktik geleistet; sie mussten es tun, um ihre Fächer in den
Kontext der allgemeinpädagogischen Bezugswissenschaften zu integrieren,
sie modern zu gestalten und für sie einen wissenschaftlich abgesicherten
Begründungszusammenhang zu schaffen. Fachdidaktik hat neben der Lehre
auch schwierige Forschungsaufgaben. Nun aber steht zu erwarten, dass der
Konkurrenznotstand nicht mehr von Seiten der Schule zu beseitigen ist.
Die Universität muss sich in die Pflicht nehmen lassen, sofern sie an
einer Lehrerausbildung weiterhin interessiert ist und sich nicht mit dem
Status von esoterischen Disziplinen begnügen will, für die schwierigen
und mit Sicherheit am schwersten legitimierbaren Fächer des Gymnasiums
die fachdidaktische Kerrnerarbeit entweder selbst mitzuübernehmen oder
dafür kompetente Fachleute einzustellen. So viel ist jetzt schon sicher:
Die Fachwissenschaft wird - allein schon wegen ihrer fachbedingten
Rückwärtsgewandtheit - die sich immer höher auftürmende Mauer der
Antike-Feindlichkeit allein nicht zu durchbrechen in der Lage sein. Da
hierzu aber in organisierter Form kein fachdidaktischer Nachwuchs
herangebildet werden konnte, liegt das Dilemma der Klassischen
Bildungsfächer offen zutage. Die Folgerung: In der Problematik der
Fachdidaktik besteht auf jeden Fall zwischen Universität und Schule ein
dringender Diskussionsbedarf.
1983 hat
Eckhard Lefèvre in seiner Analyse „Die Zukunft der Antike" (Freiburg) im
Blick auf die Schule festgestellt, „daß der Vertreter der Latinistik in
eine rosigere Zukunft schauen kann als der Vertreter der Gräzistik".
Seine Prognose hat sich in etwa bestätigt; auch die Relation zwischen
den beiden Fächern Latein und Griechisch ist geblieben. Doch ist die
Situation des altsprachlichen Unterrichts heute zweifellos sehr viel
prekärer als damals. Ob die Klassischen Sprachen und ihre Literaturen im
kommenden Jahrhundert bildungswirksam bleiben, ob Humanistische
Bildung weiterhin ein Angebot des Gymnasiums sein wird, ist völlig
ungewiss; zu rasch und zu grundstürzend ändern sich die schulischen
Rahmenbedingungen. Blauäugiger Optimismus ist fehl am Platze.
Die Alte
Welt droht aus der Erinnerung der Menschen zu verschwinden. Die Antike
steht am Scheideweg, entweder sie driftet ab oder sie setzt sich durch.
Das eine, wenn man die Dinge sorglos treiben lässt, das andere, wenn
alle Kräfte dafür mobilisiert werden. Herakles, das antike Modell in der
gewählten Metapher, hat sich bekanntlich nicht für den bequemen Weg
entschieden; als jugendlicher Kämpfer hat er den harten Weg gewählt. Der
antike Held sollte Chiffre sein für den Vertreter der Antike auf jenem
Kampffeld, wo über Schule und Bildung der Zukunft entschieden wird.
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